Politischer Spielraum

Umfragen zu Pegida: Es geht auch besser

Eine zweite Studie zu Pegida geht mit ihren Ergebnissen deutlich vorsichtiger um – und fördert interessante Ergebnisse zutage.

Letzte Woche schrieben wir an dieser Stelle zur ersten Pegida-Studie, die mit ihren methodischen Schwächen nicht gerade vorbildlich umging. Dem Urteil schlossen sich andere Beobachter an. Wie in einem Lehrstück kommt in dieser Woche eine zweite Studie heraus, die mit ihren methodischen Problemen deutlich sorgfältiger und vorsichtiger umgeht.

Ein Team des Instituts für Protest-und Bewegungsforschung verteilte hierfür auf Pegida-Demonstrationen Einladungen zu einer Online-Umfrage, während die Demonstration parallel systematisch von Forschern beobachtet wurde.

Es lohnt sich hier, einfach mal zwei Sätze aus den jeweiligen Publikationen zu vergleichen:

TU Dresden:

“Der „typische“ PEGIDA-Demonstrant entstammt der Mittelschicht, ist gut ausgebildet, berufstätig, verfügt über ein für sächsische Verhältnisse leicht überdurchschnittliches Nettoeinkommen, ist 48 Jahre alt, männlich, gehört keiner Konfession an, weist keine Parteiverbundenheit auf und stammt aus Dresden oder Sachsen.”

IPB:

“Aus diesen Gründen (geringe Beteiligung und Verzerrungen) ist es uns nicht möglich, Aussagen über „den“ Pegida-Demonstrierenden oder über Pegida als Gesamtheit zu treffen. Vielmehr beziehen sich die im Folgenden präsentierten Daten auf den im Kontakt mit unseren Teams offeneren und zudem wohl eher internetaffinen Teil. Dies gilt es bei der Interpretation der Daten immer zu berücksichtigen. Es bleibt zu hoffen, dass die interessierten Medien diesen massiven Vorbehalt bei der Rezeption und Verbreitung unserer Daten berücksichtigen und nicht als vermeintlich unwichtigen technisch-methodischen Aspekt außer Acht lassen.” (meine Hervorhebung)

Zur Umfrage kommen Beobachtungen des Demonstrationszugs: so beobachteten und zählten die Forscher die Anzahl verschiedener Fahnen, und beschreiben des Verhalten der Demonstranten, unter anderem auch im Umgang mit den Forschern. Dabei kommt unter anderem Folgendes heraus:

“Sehr häufig haben nach der Wahrnehmung der VerteilerInnen „besonders aggressiv Aussehende“ die Annahme der Handzettel verweigert. Das lässt vermuten, dass insbesondere die radikaleren Demonstrierenden (Rechtsextreme, Hooligans) sich einer Befragung verweigerten.”

[..]

“Die „AblehnerInnen“ setzten außerdem häufig Wissenschaft und Universitäten mit der „Lügenpresse“ gleich („Ihr werdet doch bezahlt!“, „“Ihr seid doch alle von der Presse!“). “

Auch sonst hat die zweite Studie einige Vorteile: zwar ist die Rücklaufquote noch geringer als bei der Studie der TU Dresden, aber immerhin wurden einige Daten auch über Umfrageverweigerer festgehalten, was eine grobe Abschätzung der Verzerrung erlaubt.  Außerdem wurden Antworten außerhalb des Demonstrationskontexts aufgezeichnet, wodurch die Antworten inhaltlich wahrscheinlich glaubwürdiger sind. So wurden den Teilnehmern mehrere nuancierte Fragen unter Anderem zur Haltung gegenüber Ausländern gestellt, die anhand bestehender Umfragen mit den Einstellungen der Gesamtbevölkerung verglichen werden können.

So sind zwar der Studie zufolge 80% der Befragten dagegen, dass der Staat bei Asylanträgen großzügig ist: diese Zahl ist aber nur unbedeutend höher als der Anteil von 76% der Deutschen, die dies in einer anderen Umfrage ebenfalls ablehnten. Dagegen wollen 81% der Pegida-Anhänger „Mut zu einem starken Nationalgefühl“, was laut Vergleichsumfrage nur rund 30% aller Deutschen unterstützen. Viele andere interessante Aspekte und Resultate der Studie finden sich in der Präsentation zur Pressekonferenz und auf dem Handout, welches anlässlich dieser verteilt wurde. Bleibt zu hoffen, dass der sorgfältigere und selbstkritischere Geist dieser Studie sich in der Diskussion und der Ursachenforschung zu Pegida durchsetzt.

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