Politischer Spielraum

Wann kommt die Homo-Ehe?

Die Einstellung der Deutschen zur Homo-Ehe ändert sich – und ihr Meinungswandel kennt nur eine Richtung.

Seit 2013 dürfen Homosexuelle in Frankreich heiraten, und dank guter Fotografen haben alle – inklusive Bild-Leser – etwas davon. In Deutschland gibt es zwar die eingetragene Lebenspartnerschaft; die vollständige Gleichstellung bleibt Homosexuellen aber verwehrt.  Und das, obwohl sich im Februar 2013 laut Forsa schon 74% der Bürger für die „echte“ Homo-Ehe aussprachen. Da werfe man Angela Merkel noch einmal vor, sie lasse sich zu stark von Umfragen leiten…

Aber wie entwickelt sich die öffentliche Meinung zum Thema Homo-Ehe in Deutschland eigentlich langfristig? Richtig überzeugende Daten gibt es dazu hierzulande leider nicht (oder ich konnte sie nicht finden), aber man kann sich zumindest einen Überblick verschaffen, indem man Ergebnisse verschiedener Umfragen zusammenträgt. Das Ergebnis: Seit 1988 sinkt die Anzahl derjenigen, die sich gegen die Homo-Ehe aussprechen, deutlich und gleichmäßig. Sehr gleichmäßig, um genau zu sein.

Anteil derjenigen Deutschen die sich in Umfragen gegen die Homo-Ehe aussprechen

Anteil derjenigen Deutschen die sich in Umfragen gegen die Homo-Ehe aussprechen

Waren 1988 noch satte 71% aller (West-)Deutschen gegen die Homo-Ehe, waren es 2013 nur noch 23% (der Gesamtdeutschen). Fast noch interessanter ist, dass die Datenpunkte dazwischen auf einer ziemlich geraden Linie zu liegen scheinen: Die Anzahl der Homo-Ehen-Gegner nahm seit 1988 pro Jahr um ca. 2% (genauer 1,91%) ab. Wenn das so weiterginge, wäre in etwa 12 Jahren, also 2026, so gut wie keiner mehr dagegen. Dass es genauso so kommt ist natürlich unwahrscheinlich. Trotzdem scheint es, als kenne die öffentliche Zustimmung zur Homo-Ehe nur eine Richtung: nach oben.

Wieso ändern sich die Zahlen so stark?

Dafür gibt es natürlich mehrere Erklärungen. Einerseits ändern manche Leute (und auch einige Politiker) mit der Zeit ihre Meinung. Andererseits werden über die Zeit ältere Bürger durch jüngere ersetzt, die der Homo-Ehe im Schnitt deutlich offener gegenüberstehen. Anhand der eher mauen Datenbasis in Deutschland lässt sich nicht deutlich sagen, welche Erklärung wichtiger ist.

In den USA gibt es deutlich mehr Forschung und schönere Graphen zum selben Thema. Eins der interessanten Resultate: Auch dort steigt die Unterstützung für Homo-Ehen pro Jahr um etwa 2 Prozent. Und dank besserer Datenlage kann man auch schätzen, wie die beiden Erklärungen sich zueinander verhalten: Sie sind in den USA laut Nate Silver in etwa gleich wichtig und tragen beide pro Jahr ungefähr einen Prozentpunkt zum Meinungswandel bei. Das scheint, ganz grob, auch für Deutschland plausibel.

Man darf also gespannt sein, wie es mit der Homo-Ehe in Deutschland weitergeht. Die Zeit (nicht (nur) die Zeitung!) scheint aber klar auf der Seite der Befürworter zu sein.

Ein Postskriptum zu den Zahlen: Die kommen für 1988 vom ISSP (nur Westdeutschland), 2000 von Infratest, 2008 von Allbus und 2013 von Forsa. Die gestellten Fragen behandelten alle die Homo-Ehe, waren aber nicht komplett identisch, und man muss bei solchen Vergleichen zwischen verschiedenen Umfragen allgemein extrem vorsichtig sein. Über Hinweise auf zusätzliche und/oder bessere Daten aus anderen Quellen freuen wir uns! Am langfristigen Trend dürfte das zwar wenig ändern, allerdings könnte man mit besseren Daten z.B. sehen, ob die öffentliche Meinung kurzfristig auf Vorstöße aus den Parteien reagiert.

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