Politischer Spielraum

Münchau zum IWF: Seid ihr doof? (IWF zu Münchau: …)

Wolfgang Münchau beklagt sich diese Woche im Spiegel über den Internationalen Währungsfonds IWF. Grund: Die Wachstumsvorhersagen für Italien und Griechenland waren in den letzten Jahren nicht nur falsch, sondern auch im Schnitt zu optimistisch. Die einfache Diagnose Münchaus: Die Ökonomen sind „hilflos wie noch nie“, ihre „Modelle funktionieren nicht mehr“, aber sie „wollen das nicht wahrhaben“.

 

Spiegel-Kolumnist Wolfgang Münchau (früher FTD)

Spiegel-Kolumnist Wolfgang Münchau (früher FTD)

Ohne den darauf folgenden Exkurs in die von Münchau favorisierte Chaostheorie (die soll es, im Unterschied zu den bösen Gleichgewichtstheorien, richten) zu ernst zu nehmen, kann man dazu konstatieren: Münchau schießt diese Woche in die falsche Richtung. Er tut so, als wäre das einzige Ziel des IWF, korrekte Vorhersagen zu machen. Das ist aber nun mal nicht sein Ziel, oder zumindest nicht das Einzige. Der IWF versucht internationale Finanzstabilität zu wahren und vergibt dazu unter anderem Kredite an Länder. Er ist außerdem unter der Kontrolle seiner Eigner, die wiederum ihre eigenen Ziele haben. Kein Wunder also, dass seine Vorhersagen dieser Situation Rechnung tragen. So müssen Wachstumsvorhersagen zum Beispiel mit laufenden IWF-Programmen und finanziellen Engagements, aber auch mit dem Willen der größten Eigner halbwegs kompatibel sein. Kein Wunder, dass die eine oder andere Vorhersage da mal nach oben (oder nach unten) abdriftet.

Zum Thema IWF-Vorhersagen gibt es einige akademische Forschung (z.B. hier – ausgerechnet von den gescholtenen Ökonomen!) , die in der Tendenz zu zeigen scheint, dass politische Motivationen bei den Vorhersagen in der Tat eine Rolle spielen, zum Beispiel das Verhältnis zu den USA und bereits vergebene IWF-Kredite. Dazu könnte man wiederum lange Bücher schreiben, aber um erstmal wieder auf Wolfgang Münchau zurückzukommen: der verwechselt in seiner Kolumne schlicht das Ziel des IWF mit den Zielen eines gut geführten unabhängigen Vorhersageinstituts (unabhängige Vorhersagen sind – zeigt die Forschung –  messbar besser als die des IWF). Eine kurze Lektüre der bestehenden Literatur zum Ersteren hätte sicher geholfen, dieses Missverständnis auszuräumen.

3 Gedanken zu “Münchau zum IWF: Seid ihr doof? (IWF zu Münchau: …)

  1. Johanna

    Politik und Partikularinteressen spielen sicher immer eine Rolle, aber es muss doch trotzdem das Ziel des IWF sein korrekte Vorhersagen zu machen. Und offiziell ist das sicherlich auch so. Daran sollte der IWF dann auch gemessen werden. Münchaus Analyse ist natürlich trotzdem falsch. Es geht zumindest im Falle des IWF in erster Linie nicht um die wissenschaftliche Kompetenz der Ökonomen, sondern um deren wissenschaftliche Unabhängigkeit.

  2. Hannes

    Liebe Johanna,
    danke für deinen Kommentar! Ich gebe dir vollkommen Recht, dass man sich vom IWF eigentlich korrekte Vorhersagen erhoffen können sollte. Insofern ist mein Post vielleicht auch etwas mißverständlich: Es geht nicht darum, zu sagen dass der IWF manchmal schlechte Vorhersagen macht und das auch gut und richtig sei. Ich wollte stattdessen darauf hinaus, dass schlechte Vorhersagen (relativ zu anderen Forecasts!) nicht aus Kompetenzmangel zustande kommen, sondern dass es dafür in solchen Institutionen mitunter Motive geben kann. Sollte ich vielleicht noch einmal klärend anmerken…

  3. Bradler

    „Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen.“Korrekte Vorhersagen sind zwar wünschenswert aber doch auch ein bißchen utopisch. Der erste Risikofaktor besteht doch schon in der Ableitung aus den Modellen. Wenn dann in der Ableitung bei Annahmen und Interpretation noch Interessen berücksichtigt werden müssen, steigt die Fehleranfälligkeit oder die Inkaufnahme des Risikos, dass man falsch liegen kann. Das wird trotzdem in Kauf genommen da die abgegebene Prognose einen ganz anderen Zweck verfolgt wie bspw. die Beruhigung der Marktteilnehmer …

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